Die Aktivistin

 

Erscheinungsjahr: 2014
Aktuelle Ausgabe: 2
Verlag: tredition
Seitenanzahl:
(aktuelle Ausgabe)

276


Allgemeines

Die Aktivistin, seit Herbst 2019 auch "Die Aktivistin: Der Widerstand beginnt", ist das vierte literarische Werk von Thomas Sailer.


Handlung

Europa, im Herbst 2018: Der Präsident des EU-Parlaments verlautbart, dass Bargeld im gesamten Euroraum abgeschafft und durch ein rein digitales Zahlungsysytem ersetzt wird.

Während die Politik alles unternimmt um die bevorstehende Währungsreform als eine großartige, längst überfällige Verbesserung darzustellen, entsteht in der Bevölkerung großer Frust: Vielen Bürgern ist bewusst, dass ein rein elektronischer Zahlungsverkehr eine absolute Kontrolle über die Finanzen des Einzelnen ermöglicht. Es scheint zudem unwahrscheinlich, dass die Regierung von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen wird.

Zu dieser Zeit hat sich die 23-jährige Studentin Johanna Perl von ihrem Freund getrennt und verbringt einige Tage zurückgezogen in ihrem Zimmer, da sie die Trennung erst verarbeiten muss. Sie erfährt erst von dem Beschluss des EU-Parlaments, da ihr Vater lautstark mit ihrer Mutter darüber debattiert. Johanna findet die Vorstellung erst einmal befremdlich, dass es schon bald kein Bargeld mehr geben soll. Das Thema beschäftigt sie zusehends, da sie eine Zukunft in totaler Überwachung fürchtet.

 

*Achtung Spoiler*

Angeregt durch ihre Freundin Sabrina beginnt Johanna über die Abschaffung von Bargeld zu bloggen. Vorerst scheint es als wäre ihre Arbeit vergebene Liebesmüh, aber dann fängt ihr Weblog an auf Resonanz zu stoßen. Die Lokaljournalistin Monika Lenz führt ein Interview mit Johanna und macht ihren Weblog lokal einem breiteren Publikum bekannt. Johanna freut sich über ihren Erfolg, beginnt aber auch zu verstehen, dass sie dieses Projekt auf längere Sicht nicht im Alleingang weiterführen kann.

Bald darauf tritt der slowakische Professor Dr. Kaspar Petržalkov mit ihr in Kontakt. Er ist im Begriff in Zusammenarbeit mit einigen Studierenden ebenfalls Widerstand gegen die Währungsreform zu leisten. Johanna trifft Kaspar Petržalkov in Senica und Sie ist ausgesprochen beeindruckt von dem charismatischen Gelehrten. Die beiden vereinbaren, dass sie künftig zusammenarbeiten werden. Kaspar lädt Johanna außerdem zu einem Treffen mit anderen Studenten in seinem Wochenendhaus im Tatragebirge ein.

Am kommenden Freitag holt Kaspar sie, in Begleitung seiner Studenten Jurai und Oleg, in Hohenau an der March ab. Sie fahren in die Slowakei, zu Kaspars Landsitz, der sich etwa eine Dreiviertelstunde Fahrt nordöstlich von Banská Bystrica befindet. Dort trifft Johanna die Ungarin Krisztina und die Polin Ania. Auch lernt sie Pavel kennen, ein schüchternes Computergenie aus Košice. Er steht hinter der Plattform, die Kaspar in Kürze starten möchte. Johanna erfährt, dass eigentlich alles schon vorbeitet ist. Das Portal wird veröffentlicht. Dank brisanter Inhalte und geschicktem Marketing verzeichnet die Webseite schon am ersten Tag mehr als 10.000 Zugriffe.

Als Johanna wieder an die Universität fährt, bedankt sie sich bei ihrem Kommilitonen Ignaz, nachdem sie erfahren hat, dass er seinen Lehrenden Kaspar Petržalkov auf ihre virtuellen Aktivitäten hingewiesen hat. Ignatius, der an Johanna interessiert ist, nutzt die Gelegenheit und lädt sie zum Essen ein. Johanna nimmt an, fühlt sich von ihrem Studienkollegen aber rasch gelangweilt bzw. genervt. Schließlich spricht sie Klartext, als Ignaz immer aufdringlicher wird. Er reagiert kühl und lässt Johanna in dem Lokal zurück; sie ist froh ihn damit los zu sein.

In der Vorweihnachtszeit kann sich Johanna dem Portal nicht so sehr widmen wie sonst, da sie für eine Prüfung lernen muss. Trotzdem gedeiht das Widerstandsportal prächtig und verzeichnet bald 50.000 Besuche pro Tag. So werden Johanna und Kaspar drei Tage vor Weihnachten von der Zeitung ‚Austria Daily’ zu einem Interview eingeladen. Beide folgen der Einladung und erscheinen in der Redaktion in Wien. Das Interview führt ein junger Redakteur namens Jürgen Strassmann. Er versucht hartnäckig seine Interviewpartner als unfähig darzustellen, scheitert aber an Kaspars Schlagfertigkeit. Nun erkennt Johanna, dass sie und die Widerstandsbewegung bereits politischen Gegenwind bekommen.

An einem der ersten Tage des neuen Jahres 2019 beordert  Ruben van Plaag, der Präsident der EU-Kommission, den österreichischen EU-Kommissar Horst Mitterndorfer zu sich. In einem ernsten Gespräch hält er diesen dazu an, etwas wegen Johanna Perl zu unternehmen. Sie und das Widerstandsnetzwerk würden bereits zu viel Resonanz bekommen und könnte gefährlich werden, da die Abschaffung von Bargeld eine äußerst heikle Angelegenheit ist. Horst Mitterndorfer reist nach Österreich und lädt Johanna Perl zu einem Treffen nach Wien ein. Sie nimmt die Einladung an und trifft sich mit dem hochrangigen Politiker. Mitterndorfer tut erst als fände er ihre Aktivität gut, versucht dann aber Johanna einzureden, dass ihr Protest unangebracht ist, da die Währungsreform im Interesse der Allgemeinheit wäre. Da Johanna sich nicht umstimmen lässt, stellt Mitterndorfer ihr eine berufliche Position im Ministerium in Aussicht, vorausgesetzt sie würde sich künftig angepasster verhalten – also die Widerstandsbewegung aufgeben müsste. Johanna lehnt sein Angebot ab.

Am kommenden Samstag bekommt Johanna Besuch von Kaspar. Der Professor rät ihr dazu das Angebot des EU-Kommissars anzunehmen und ihre Rolle in der Widerstandsbewegung aufzugeben. Er ahnt bereits, dass der jungen Aktivistin Gefahr droht, sollte sie den Widerstand weiter fortsetzen. Johanna möchte ihren Widerstand allerdings fortsetzen, verspricht Kaspar aber, dass sie Acht geben wird damit sie sich nicht durch einen Fehler angreifbar macht.

Tags darauf treffen sich Johanna und Juraj in Hohenau an der March. Es kommt es zu einer Konfrontation mit Marvin, der durch Zufall gerade zu diesem Zeitpunkt zu Johanna gefahren ist, um sie als seine Partnerin zurückzugewinnen. Johanna erklärt ihm, dass sie nicht interessiert ist aber Marvin bleibt hartnäckig. Er reagiert äußerst eifersüchtig auf Juraj und beschimpft ihn wüst. Schließlich wird er sogar handgreiflich, allerdings kann Juraj sich gegen Johannas rabiaten Exfreund behaupten. Nach diesem Vorfall besprechen Johanna und Juraj eine Idee für das Widerstandsportal – eine Möglichkeit lokale Proteste online zu organisieren. Johanna gefällt die Idee.

Während der kommenden Woche möchte sich Johanna wieder mehr auf ihr Studium konzentrieren. Jedoch erhält sie schon am folgenden Donnerstag eine Zuschrift von Beate Pöttschacher, einer Grazerin, die einen Protest organisieren will. Sie lädt Johanna dazu ein persönlich dabei zu sein. Johanna sagt zu und fährt am Samstag der nächsten Woche nach Graz, um Beate zu treffen. Sie nimmt an dem Protestmarsch teil und hält anschließend eine spontane Rede – auf ihre Worte folgen Jubel und wilder Applaus.

Bald darauf, am 2. Februar, treffen sich Johanna und Juraj in BratislavaWährend einem Spaziergang in der Altstadt erhält Juraj einen Anruf von Kaspar. Der Professor weiß, dass Johanna in Bratislava ist und möchte die Gelegenheit nutzen die beiden zu treffen. Kurzerhand verabreden sie sich in einem Café in der Altstadt. Kaspar möchte gerne von Johanna persönlich erfahren, wie sie den Protestmarsch in Graz empfunden hat. Mittlerweile scheint er sehr zuversichtlich, dass sein Widerstandsnetzwerk tatsächlich etwas gegen die Währungsreform ausrichten kann.

Am nächsten Tag wird Johannas Zuhause von der Polizei durchsucht. Ihr Computer sowie ein paar andere persönliche Gegenstände werden beschlagnahmt. Johannas Familie, insbesondere ihre Mutter, besteht nun darauf, dass sie ihre Aktivität in der Widerstandsbewegung beendet. In diesem Moment ist es auch Johanna nicht mehr danach, weiterzumachen. Zwar ist sie weiterhin von der Schlechtigkeit der Währungsreform überzeugt, allerdings hat sie nun die erbarmungslose Staatsgewalt zu fürchten gelernt.
Da das Haus der Familie Perl bei der polizeilichen Durchsuchung verwüstet worden ist, kommen einige Familienmitglieder, um beim Aufräumen zu helfen. Auch Johannas Freundin Sabrina kommt. Johanna nutzt Sabrinas Mobiltelefon (da ihr eigenes beschlagnahmt worden ist) um Kaspar von dem Vorfall in Kenntnis zu setzen und ihm zu sagen, dass sie nicht mehr länger weitermachen kann. Tags darauf besucht Kaspar Johanna persönlich und erklärt ihr, dass sie in jedem Fall Abstand von der Widerstandsbewegung halten sollte, um sich selbst nicht weiter zu schaden. Auch ermutigt er sie ein weiteres Mal, doch noch auf das Angebot des EU-Kommissars Horst Mitterndorfer einzugehen.

Am 13. Feber feiert Johanna ihren 24. Geburtstag. Den Vormittag verbringt sie mit ihren Eltern, zu Mittag ist sie bei ihren Großeltern und am Nachmittag trifft sie sich mit ihren Freundinnen Sabrina, Marie und Andrea. Die vier Mädchen fahren nach Wien, um Johannas Geburtstag dort zu feiern. Am Morgen des nächsten Tages wird Johanna unter schwerem Polizeieinsatz in ihrem Elternhaus in Hohenau an der March verhaftet und in die Justizanstalt Schwarzau im Steinfeld gebracht. Während Johanna keine Ahnung hat unter welchem Vorwand man sie verhaftet hat, war ihr sehr wohl klar, weshalb sie in polizeiliche Gewahrsam genommen worden ist: Weil ihr Protest gegen die Währungsreform der Regierung ein Dorn im Auge gewesen ist.

Im Gefängnis kommt Johanna in Einzelhaft. Die Direktorin und die Wärterinnen behandeln sie rau, jedoch nicht grob. Johanna verinnerlicht, dass sie nichts weiter tun kann – ihr Schicksal liegt in den Händen jener Leute, die ihr das angetan haben. Sie versteht, dass sie Monate – wenn nicht Jahre in Haft verbringen wird. Schließlich nimmt die Wärterin Linda Beninger Kontakt zu Johanna auf. Beninger ist eine Anhängerin der Widerstandsbewegung und davon überzeugt, dass Johanna eine politische Gefangene ist. Obwohl für sie ein nennenswertes Risiko besteht, besucht Beninger Johanna oft und versucht ihr den Alltag im Gefängnis erträglicher zu machen: So bringt sie ihr zum Beispiel Tageszeitungen und Schokolade in die Zelle.

Nachdem Kaspar von Johannas Verhaftung erfährt, weist er alle anderen Mitglieder der Widerstandsbewegung an keine neune Beiträge mehr zu verfassen. Nun tritt er selbst in den Vordergrund und äußert sich mehrsprachig auf dem Portal zu Johannas Verhaftung. Außerdem gibt Kaspar dem Moderator Podlipný ein schonungsloses Interview. Infolgedessen werden dem Professor sämtliche Lehraufträge entzogen. Kaspar beschließt die slowakische Hauptstadt vorerst zu verlassen und sich in sein Haus im Tatragebirge zurückzuziehen.

Bald kommt es europaweit, mitunter auch in Wien, zu heftigen Ausschreitungen. In vielen großen Städten kommt es zu Aufständen, als direkte Reaktion auf die Verhaftung der Aktivistin Johanna Perl. Die Öffentlichkeit hat erkannt, dass sie eine politische Gefangene ist und fordert, dass entweder lückenlos offen gelegt wird weshalb sie in Haft ist – oder ihre sofortige Entlassung. Nun sieht sich die Politik gezwungen zu handeln. Johanna wird in die Justizanstalt Josefstadt überstellt und dort von dem Richter Timotheus Stockmann aus der Haft entlassen – unter dem Vorwand, dass es sich bei ihrem Fall um einen Justizirrtum gehandelt hat.

Als sie die Justizanstalt verlässt, wird sie von einer jubelnden Menge empfangen. Sie wird mit einer Limousine abgeholt und in ihren Heimatort gefahren. Am Tag nach Johannas Rehabilitation bekommt sie Besuch von Kaspar. Er erklärt unter anderem, dass er davon ausgeht, dass die supranationale Regierung erneut versuchen wird, die Währungsreform durchzubringen. Er plant das Portal der Widerstandsbewegung weiterhin als regierungskritisches Medium aufrechtzuerhalten.

In Brüssel kommt es zu einem Zusammentreffen zwischen Horst Mitterndorfer und Ruben van Plaag. Nach den Ausschreitungen während der Währungsreform zittert Mitterndorfer um sein Amt, aber van Plaag teilt ihm mit, dass er nicht zurücktreten brauche. Man habe ohnehin damit gerechnet, dass es Widerstand gegen die Abschaffung von Bargeld geben würde. Nach einiger Zeit würde die Idee wieder an die Bürger herangetragen, nachdem die Bevölkerung besser dafür sensibilisiert würde. So gesehen verläuft die Umstellung auf einen rein digitalen Zahlungsverkehr nach wie vor planmäßig.



Thematischer Hintergrund

In dem Roman Die Aktivistin widmet sich Thomas Sailer dem Thema 'Behördliche Überwachung' und möchte daran erinnern, dass ein gewisses Maß an individueller Freiheit und der Möglichkeit zur Selbstbestimmung unbedingt gewahrt bleiben muss, auch wenn moderne technische Möglichkeiten es ermöglichen Personen sehr viel genauer zu durchleuchten. Es darf keinem Regierungsapparat zustehen, die individuelle Freiheit nach Belieben einzuschränken und den Bürger beliebig in die (Zahlugs-) Pflicht zu nehmen.



Zur Entstehung

Am 30. September 2013 hatte Thomas Sailer die Idee für das Handlungskonzept: Eine junge Aktivistin kämpft gegen einen bereits gefassten und scheinbar unumstößlichen Beschluss einer supranationalen Regierung an. Sailer, der damals noch einen Vollzeitjob hatte, arbeitete während der kommenden Monate konsequent an dem Manuskript und stellte es am 7. März 2014 fertig; am 21. März gab er es an den serendii-Verlag weiter. Der Roman mit dem Titel 'Die Aktivistin' erschien dort am 1.Juli 2014.

Im Oktober 2019 erschien das Buch als 2. Ausgabe. Diese erhielt den Untertitel "Der Widerstand beginnt."

 

Charaktere

Andrea
Ania
Beate Pöttschacher
Elisabeth Perl
Frau Hoffmann
Frau Larnhof
Frau Schmitt
Gabriella
Guido Abbindolatore
Herr Novak
Herr Podlipný
Horst Mitterndorfer
Ignatius Gatterbauer
Ines
Johanna Perl
Julian Neubauer
Juraj
Jürgen Strassmann
Kaspar Petržalkov
Krisztina
Linda Beninger
Marie
Markus Perl
Marvin Jannek
Melissa
Mira
Miroslav
Monika Lenz
Oleg
Pavel
Peter
Ricardo
Ruben van Plaag
Sabrina
Siegfried Perl
Timotheus Stockmann

 

Bildquelle: serendii