Die Gefängnisinsel

 

Erscheinungsjahr: 2018
Aktuelle Ausgabe: 1
Verlag: tredition
Seitenanzahl:
(aktuelle Ausgabe)

320


Allgemeines

Die Gefängnisinsel ist das fünfte literarische Werk von Thomas Sailer. Der Roman behandelt die Themen Freiheit und Erfüllung.


Handlung

Seit mehr als zwei Jahren befindet sich Martin Eichendorf in Haft. Der junge Journalist verbüßt eine lebenslange Haftstrafe in der Hochsicherheitsanstalt Werra I, da er fünf Menschen ermordet haben soll.
Tatsächlich ist Eichendorf aber unschuldig: Etwa drei Jahre zuvor haben Mitarbeiter des OVCO-Konzerns Material an die Redaktion geschickt, für die Eichendorf gearbeitet hat, um einen vertuschten Finanzskandal ihres Arbeitgebers aufzudecken. Eichendorf witterte in der Sache ein Karrieresprungbrett und sagte niemandem, nicht einmal seiner Verlobten, woran er arbeitete. Allerdings wurden die Kontaktleute aus dem OVCO-Konzern bald (im Auftrag der Konzernführung) ermordet. Martin Eichendorf wurde wegen fingierter Beweismittel und hohen Bestechungsgeldern des fünffachen Mordes angeklagt und inhaftiert.

In der Hochsicherheitsanstalt Werra I gelten äußerst strenge Regeln: Gefangene dürfen grundsätzlich nicht mit der Außenwelt kommunizieren. Sie dürfen keinen Besuch empfangen und auch nicht telefonieren; weder dürfen sie Briefe empfangen, noch versenden. Sie dürfen auch keine Zeitungen lesen oder Fernsehnachrichten sehen. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass Werra I frei von Schmuggelware und vollkommen ausbruchssicher ist.

Acht Stunden pro Tag haben die Häftlinge zu arbeiten: Sie zerlegen ausgediente Industriemaschinen und Autowracks in ihre Einzelteile. Dabei macht Martin Eichendorf eines Tages, im Frühjahr 2017, eine Entdeckung: In einem alten Ford findet er ein verstecktes Päckchen das eine Wärteruniform enthält. Offenbar hat er durch Zufall etwas abgefangen das für einen anderen Häftling bestimmt war. Obwohl ihm bewusst ist, dass er mit einem Ausbruchsversuch sein Leben riskiert, entschließt er sich diese wahrscheinlich einmalige Chance zu nutzen und schmiedet einen Fluchtplan. Nach der Arbeit kommt es zu einer Auseinandersetzung mit dem Häftling, der das Päckchen eigentlich hätte bekommen sollen. Es kommt zu einer Schlägerei, jedoch bleibt die Uniform unentdeckt; Eichendorf gerät allerdings verstärkt ins Visier der Wärter.

Am nächsten Tag legt Martin Eichendorf die Uniform an und flieht aus der Hochsicherheitsanlage. Dank seiner Tarnung gelingt es ihm tatsächlich die Gefängnisanstalt zu verlassen – jedoch muss er kurz darauf mit Entsetzen feststellen, dass er sich die ganze Zeit lang auf einer Insel befunden hat. Nun wird auch seine Abwesenheit bemerkt und die Sirenen beginnen zu heulen. Obwohl die Lage eigentlich aussichtslos ist, flieht er in den bewaldeten Osten der Insel. Mithilfe einer List – vor allem aber durch Glück – gelingt es ihm der Suchmannschaft vorzugaukeln, er hätte versucht davonzuschwimmen und wäre im Meer ertrunken. In der Nacht wird die Insel komplett durchkämmt, mit Verstärkung vom Festland und einem Helikopter mit Suchscheinwerfer. Martin Eichendorf bleibt abermals unentdeckt, da er von einem Felsen gestürzt ist und verletzt in einer Höhle im Fels liegt.

Am nächsten Tag wagt sich Eichendorf aus seinem Versteck. Nachdem er auch bei der zweiten Durchsuchung der Insel nicht gefunden worden ist, wähnt er sich im Wald bis auf weiteres in Sicherheit. Erstmals nach so langer Zeit in Gefangenschaft fühlt er sich frei.



*Achtung Spoiler*

Bald wird Eichendorf klar, dass er Nahrung und vor allem Wasser brauchen wird. Es gelingt ihm nach anfänglichem Bangen aber bald sich mit beidem auf der Insel zu versorgen. An den ersten Tagen nach seiner Flucht empfindet er den bewaldeten Teil der Insel als ein Paradies. Nach den Jahren in Haft genießt er die Bewegungsfreiheit, die Natur, die frische Luft und die Sicht hinaus auf das Meer. Den Wald im Osten und im Norden der Insel betrachtet er als sein Reich, in dem er sich frei bewegen kann. Er möchte in Ruhe einen Weg finden, der ihn ans Festland führt und bis dahin sein Leben in Freiheit auf der Insel genießen.

Vorerst gelingt ihm das. Nach einigen Tagen allerdings, als er an Irina – seine Verlobte – denkt, fängt sein Inselreich an ihm zu klein zu werden. Er wird zusehends unruhig und der Wald, der für ihn ursprünglich Freiheit bedeutet hat, wird nach und nach zu einem neuen Gefängnis. Je vehementer Eichendorf versucht einen Weg zu finden die Insel zu verlassen, umso stärker wird ihm klar wie aussichtslos die Lage ist. Schließlich kommt er an dem Punkt an, dass er daran denkt sich von den Klippen im Norden der Insel zu stürzen.

Allerdings bringt er es fertig die Fassung zu bewahren und weiter auszuharren, bis er eine Möglichkeit findet doch noch ans Festland zu gelangen. Immer wieder findet er in den Abfällen der Gefängnisanlage nützliche Gegenstände – so zum Beispiel auch Tageszeitungen, mit deren Hilfe er seinen Standpunkt eruieren kann: Er befindet sich auf einer Insel in der Ägäis.

Einmal unternimmt er den Versuch als Wärter verkleidet an Bord einer Versorgungsfähre zu kommen. Er kann sich aber nicht ausweisen. Zwar gelingt es ihm heil aus dieser Situation herauszukommen, aber es bedrückt ihn, dass er seine Chance die Insel zu verlassen, vertan hat. Er bekommt zusehends Angstzustände, weil er befürchtet, dass sein Versuch zu entkommen auf ihn aufmerksam gemacht hat. Er wagt es kaum noch sein Versteck zu verlassen. Es gelingt ihm aber diesen Zustand zu überwinden.

Schließlich wagt er spontan die Flucht, als eine Versorgungsfähre in den Hafenbereich einläuft. Er tarnt sich abermals als Wärter, gibt vor er wolle den Laderaum untersuchen und versteckt sich anschließend in einem zerschlissenen Sack, den er einige Zeit zuvor im Gefängnismüll gefunden hat. Auf diese Weise gelingt ihm tatsächlich die Flucht von der Gefängnisinsel – noch am selben Tag gelangt er im Hafen von Thessaloniki an.

Überglücklich spaziert er den ganzen Nachmittag und Abend durch die Stadt und genießt es zurück in der Zivilisation zu sein. Aber ihm wird auch klar, dass er keineswegs frei von Problemen ist: Wie soll er sich jetzt mit Nahrung und Wasser versorgen? Wo soll er schlafen? Wie sehen die nächsten Schritte aus? Außerdem begreift er, dass er auch hier am Festland nicht in Sicherheit ist – und ein falscher Schritt jederzeit eine Rückkehr in die Gefängniszelle in Werra I bedeuten kann.

Nach einem Abend den Martin Eichendorf trotz aller Probleme sehr heiter zugebracht hat, schläft er auf einer öffentlichen Bank im Zentrum Thessalonikis. Am nächsten Morgen marschiert er los: Er möchte zu Fuß von Griechenland zurück nach Österreich gehen.
Unterwegs hilft ihm sein Interesse für Geografie weiter. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kann er sich orientieren. Er folgt im Wesentlichen dem Lauf der Autobahnen. Bald gelingt es ihm auch sich unterwegs mit dem Nötigsten zu versorgen.
Eichendorf fängt an den strapazenreichen Marsch als Abenteuer zu betrachten und erträgt die rauen Bedingungen auf diese Weise deutlich besser. Große Freude bereitet es ihm außerdem, wenn er unterwegs ein neues Etappenziel erreicht. Überhaupt kann er nach der langen Zeit in Haft dieser enormen Bewegungsfreiheit viel abgewinnen. Das geht sogar so weit, dass er nahe der bulgarischen Hauptstadt Sofia beschließt das Stadtzentrum zu besuchen, obwohl es gar nicht Teil seiner Route ist. Er erbettelt etwas Geld – ausreichend um sich etwas zu essen zu kaufen. Diesen Abend genießt er besonders, weil er sich fühlt wie ein Tourist und nicht wie ein Strafgefangener auf der Flucht.

Als er bald darauf die serbische Grenze überschreitet, macht er sich allerdings Sorgen wegen seines Unterfangens – da er sich abermals damit konfrontiert, dass er schnell erkannt und wieder inhaftiert werden könnte.
Bald nachdem er die Stadt Niš passiert hat, gerät er in ein Unwetter das es ihm unmöglich macht weiterzugehen. Ihm wird bewusst, dass er sich ohne Obdach in Lebensgefahr befindet. Er findet Unterschlupf in einer alten Scheune, wo er im Heu übernachtet.
Am nächsten Tag kann er seinen Marsch bei besserem Wetter fortsetzen. Nun ist er stärker darauf fokussiert, weiterzukommen und sein Zuhause zu erreichen.

Nach mehreren Tagen Fußmarsch erreicht er die serbische Hauptstadt Belgrad. Dort erlebt er einen sentimentalen Moment, als er an das Ufer der Donau gelangt – fließt derselbe Strom doch viele Flusskilometer weit stromaufwärts nahe an seinem Zuhause vorbei.
Er entscheidet nicht den kürzeren Weg über Ungarn zu gehen da ihm bekannt ist, dass seit 2015 die Grenzen strenger kontrolliert werden. Stattdessen geht er über Kroatien.
Unterwegs nach Zagreb trifft er angenehme Marschbedingungen an. Das Wetter ist passend, er kann sich unterwegs mit allem Notwendigen versorgen – ja überhaupt stellt er fest, dass bereits so etwas wie eine Routine in seinem Marsch gekommen ist. Mittlerweile ist er seit mehr als einem Monat unterwegs und seine Heimreise scheint ihm nun angenehmer aber dafür auch nicht mehr so abenteuerlich wie zu Beginn in Thessaloniki.

Von Zagreb aus setzt er seine Reise über den Osten Sloweniens fort. Schließlich erreicht er die österreichische Grenze und gelangt bei Bad Radkersburg nach Jahren erstmals wieder in sein Heimatland.
Als er außerhalb der Ortschaft einen Apfel pflückt, gerät er in Schwierigkeiten, da er dabei vom Grundeigentümer ertappt wird. Doch was im ersten Moment wie ein großes Problem aussieht, entpuppt sich für Eichendorf letztendlich als Vorteil: Er unterhält sich mit dem etwa 70-jährigen Mann und kann diesen schließlich davon abbringen die Polizei zu verständigen. Er erklärt ihm, dass er ein Student sei und etwas von Österreich sehen wollte – unterwegs sei ihm das Geld ausgegangen, weshalb er sich nun von dem ernähre was er unterwegs finde. Nachdem der betagte Grundeigentümer im Gesprächsverlauf ein gutes Bild von Martin Eichendorf gewinnt und ihm insgeheim helfen möchte, kauft er ihm ein Busticket nach Wien. Nach außen hin bleibt er Eichendorf gegenüber dennoch recht schroff.
Nun fährt Martin Eichendorf von Bad Radkersburg aus mit dem Bus nach Graz und von dort aus nach Wien. Der Bus erreicht den Wiener Westbahnhof am späteren Nachmittag. Eichendorf bricht unverzüglich auf nach Bad Deutsch-Altenburg, wo sich sein Elternhaus befindet. Er geht in die Nacht hinein und schließlich die ganze Nacht hindurch und legt die finale Etappe seiner Heimreise zurück. Im Morgengrauen erreicht er das Haus seines Vaters.

Er trifft seinen Vater zuhause an und wird von diesem herzlich empfangen und aufgenommen. Die Widersehensfreude ist groß und Martin Eichendorf genießt es, dass ihm plötzlich so viel Komfort zur Verfügung steht. Allerdings kristallisiert sich bald heraus, dass durch seine Heimkehr nicht alles besser geworden ist: In der Gasse kennen ihn viele Leute, er kann das Haus nicht verlassen – und muss gar aufpassen, dass er nicht zufällig von einem Fenster aus von einem Nachbarn oder Passanten erkannt wird.
Eichendorfs Vater kontaktiert seinen Bruder Walter, der ein erfolgreicher Jurist ist. Er rät den beiden über einen Strohmann eine Wohnung weiter westlich in Österreich anzumieten, in der Eichendorf sich von da an verstecken sollte. Auf diese Weise wäre es in der Tat eher unwahrscheinlich, dass er entdeckt und aufgegriffen würde – aber er wäre abermals eingesperrt.

Martin kann sich mit diesem bestimmt gut gemeinten Plan seines Onkels nicht recht arrangieren. Vorerst fügt er sich, beginnt sich aber bereits nach der Zeit zu sehnen als er von Thessaloniki heim nach Österreich gegangen ist.
Schließlich sagt Eichendorf seinem Vater, dass er bereit sei Walters Plan anzunehmen, allerdings eine Bedingung hätte: Er will Irina wiedersehen, bevor er für lange Zeit untertauchen muss. Sein Vater ist anfangs dagegen weil er darin nur ein Risiko für seinen Sohn sieht. Martin kann ihn aber davon überzeugen ihn bei diesem Unterfangen zu unterstützen.
Eichendorfs Vater kundschaftet Irinas aktuellen Arbeitsplatz aus und fährt Martin dorthin, damit er sie dort abpassen kann. Tatsächlich trifft er Irina an: Sie ist unglücklich mit ihrem Leben, hasst ihren Job und ist in einer Partnerschaft, die sie nicht glücklich macht. Irina hat offenbar nach wie vor Gefühle für Martin, den sie seit Jahren nicht mehr hatte kontaktieren dürfen und von dem sie schließlich dachte, er sei tot (In den Medien war berichtet worden, er sei bei seiner Flucht im Meer ertrunken).Es kommt zu einer langen Unterhaltung zwischen den beiden, woraufhin Martin Irina schließlich alle wesentlichen Details rund um seine Zukunftsperspektiven verrät. Schließlich verabschieden sich die beiden voneinander, wissentlich, dass sie sich unter den gegebenen Umständen nicht mehr wiedersehen können.

Auf der Rückfahrt nach Bad Deutsch-Altenburg kommt es zum Streit zwischen Vater und Sohn, als Martin seinem Vater erklärt, dass er Irina sämtliche Details zu seinem Aufenthaltsort verraten hat. Eichendorfs Vater erklärt ihm, dass er damit „sein Rückfahrtticket ins Gefängnis gebucht“ hätte.
Am Tag darauf sucht Irina Eichendorfs Vater in dessen Firma auf. Sie erklärt ihm, dass sie beabsichtigt dabei zu helfen Martin zu verstecken. Sie selbst möchte die Rolle des Strohmanns übernehmen – außerdem möchte sie sich von ihrem Partner trennen und die angemietete Wohnung gemeinsam mit ihrem einstigen Verlobten bewohnen.
Eichendorfs Vater befürwortet die Idee und unterstützt die beiden bei diesem Vorhaben. Es wird eine Wohnung in Wien-Favoriten angemietet, die Martin und Irina im Herbst 2017 gemeinsam beziehen. Ein Raum der Wohnung wird so präpariert, dass Martin sich dort im Fall eines Falles verstecken kann.

Für alle beide gestaltet sich der Herbst relativ angenehm, da sie nun wieder zusammen sind. Nach dem Jahreswechsel gesteht Irina Martin, dass sie Material besitzt das ihn in vollem Umfang entlasten kann: Es war ihr damals gelungen seine externe Festplatte in Sicherheit zu bringen, sodass eine Kopie der Dokumente zum OVCO-Skandal nach wie vor existierte. Allerdings hatte sie keinen Zugriff auf die Inhalte der Festplatte, da diese verschlüsselt waren. Immer wieder hatte sie nach Möglichkeiten gesucht die Festplatte zu nutzen, um Eichendorfs Unschuld zu beweisen, bis sie von seinem vermeintlichen Tod erfahren hat. Nun plötzlich gibt es für Martin Eichendorf die Perspektive seine Unschuld zu beweisen und wieder ein freier Mann zu sein.
Er kennt den Schlüssel zu seiner Festplatte noch und kann auf die Inhalte zugreifen. Irina und er planen die Beweismittel nicht an die Justiz zu übermitteln, sondern an die Presse – wären sie erst veröffentlicht, könnte sie niemand mehr unter Verschluss halten. Die beiden planen den Schritt an die Öffentlichkeit, sodass im Fall eines Falles keine Spuren zu ihnen führen. Sie drucken das Beweismaterial aus um es anonym über einen Postkasten zu verschicken. Dazu fahren sie Anfang Feber 2018 ins südburgenländische Jennersdorf, um ihren Aufenthaltsort durch den Postversand nicht zu verraten.
Anfangs sind sie beide guter Dinge, doch auf der Heimfahrt beginnen sie an die Fehler zu denken, die sie begangen haben: Sie haben die Beweise nur an die Redaktion geschickt für die sie beide früher gearbeitet haben, anstatt an sämtliche Zeitungen. Außerdem scheint es ihnen nüchtern betrachtet auch nicht mehr realistisch, dass die Zeitung anonym zugesandtes Material einfach so ungeprüft veröffentlichen wird. Trotzdem versuchen sie positiv zu denken: Einfach abwarten was passieren wird und falls die Zeitung das Material nicht veröffentlicht, würden sie weitere Redaktionen kontaktieren.
Dann, bei Oberwart, werden die beiden von der Polizei angehalten. Ein Polizist erkennt Eichendorf – er und Irina werden sofort verhaftet. Martin wird von einem Sondereinsatzkommando aus Oberwart abgeholt und auf den Flughafen Wien-Schwechat gebracht. Noch in der Nacht wird er zurück nach Griechenland geflogen und findet sich am Vormittag des nächsten Tages erneut in der Gefängniszelle in Werra I wieder.

Nun resigniert Eichendorf. Er kann es nicht fassen, dass er wieder im Gefängnis gelandet ist und seine Flucht letztendlich vergebens gewesen sein soll. Nachdem er aus Wut und Verzweiflung gegen das Zellengitter tritt, wird er von einem Wärter brutal niedergeschlagen und verletzt am Zellenboden liegend zurückgelassen. Da er fast ein Jahr zuvor geflohen ist, darf er die Zelle nun überhaupt nicht mehr verlassen. Er befürchtet, dass er unter den gegebenen Umständen bald nicht mehr bei Verstand sein würde. Er fühlt sich vollkommen machtlos. Den ganzen Tag über tut er kaum etwas als auf dem Bett zu liegen und vor sich hin zu dösen.

Wenige Tage später wird Martin Eichendorf entlassen. Die Zeitung hat die Beweise veröffentlicht, er ist umgehend rehabilitiert worden. Der Gefängnisdirektor lässt ihn zu sich bringen und erklärt ihm die Situation. Martin Eichendorf bekommt die Erlaubnis draußen, im Wald der Insel Xias, spazieren zu gehen, bis das Boot eintrifft das ihn von der Insel bringen soll. Am selben Nachmittag wird er von der Gefängnisinsel abgeholt und kehrt in der Nacht per Flugzeug nach Österreich zurück.

Er erhält eine Anstellung bei der Redaktion für die er früher geschrieben hat, darf ab sofort aber sehr viel freier arbeiten. Seine Freiheit nutzt er unter anderem, um mit Irina noch im selben Frühjahr eine mehrwöchige Reise zu unternehmen.



Thematischer Hintergrund

In diesem Werk behandelt Thomas Sailer die Themen Freiheit und Erfüllung. Was ist Freiheit? Welche Ausprägungen kann Freiheit annehmen? Wie notwendig ist Freiheit für ein erfülltes Leben? Es sind Fragen wie diese mit denen Martin Eichendorf sich auseinandersetzen muss, während er versucht sein Leben zurückzuerobern.


Zur Entstehung

Thomas Sailer hatte den zündenden Einfall zu seinem 5. literarischen Werk am 21. Januar 2017. Zu diesem Zeitpunkt wusste er nicht ob er seine Existenz als freier Künstler und Schriftsteller noch lange aufrechterhalten könnte. Anstatt einer ersehnten Verbesserung befürchtete er eine baldige Verschlechterung. Ihn frustrierte der Gedanke, dass er sich bald wieder in einem Alltag wiederfinden könnte, dem er eigentlich längst abgeschworen hat.
In diesem Moment fühlte er sich wie ein Gefangener, der einem Gefängnis zwar entkommen, aber noch längst nicht davor in Sicherheit ist. Diesen Gedanken visualisierte er und kam so auf den Vergleich mit einem Häftling der nach langer Gefangenschaft ausgebrochen ist, sich aber auf einer Insel befindet und zu dem Gefängnis einfach keine Distanz aufbauen kann.
Dieser Ansatz faszinierte Thomas Sailer derart, dass er ihn niederschrieb. Noch am selben Tag hat er entschieden, dass daraus ein neues Buch entstehen soll.

Während dem Schreibprozess abstrahierte er oft eigene Erlebnisse oder Empfindungen, sodass sie in die Geschichte von Martin Eichendorf passten.

Der eigentliche Schreibprozess dauerte bis in den Herbst 2017. Der Roman erschien schließlich im Mai 2018.

 

Charaktere

Alexander Vessely
Anja
Der alte Steirer
Der Fährkapitän
Der Gefängnisdirektor
Der griechische Seemann
Der Häftling
Der Polizist aus Oberwart
Der Wärter
Frauke Zetthofer
Herr Eichendorf
Irina Vessely
Martin Eichendorf
Walter Eichendorf

 

Bildquelle: Thomas Sailer