Herr Hofmeister

Geboren: 1945

Alter zum Handlungs-
zeitpunkt:

66
Beruf: Pensionist
Haarfarbe: -
Buch: Der Freizeitpionier


Allgemeines

Herr Hofmeister (1945 in Wien) ist der Vater von Jonathan Hofmeister (genannt Johnny).

 

Biografie

Herr Hofmeister wurde 1945 in Wien geboren. Er entstammt einer Unternehmerfamilie, die ihren Besitz allerdings größtenteils im 2. Weltkrieg verloren hat.

Nach seiner Pflichtschule und seinem Wehrdienst begann er eine kaufmännische Lehre. Später begann er in der Immobilienbranche zu arbeiten und gründete bereits in relativ jungen Jahren seine eigene Immobilien-Firma. Diese war bald nicht mehr nur vermittelnd, sondern auch als Bauträger im Geschäft.

Mit Mitte dreißig war Herr Hofmeister nach etwa 20 Jahren, während derer er kaum etwas anderes getan hatte als zu arbeiten, bereits Millionär.

Wenige Jahre später lernte er eine hübsche, junge Studentin kennen, die sich sehr für ihn (und sein Geld) zu interessieren schien. Er begann erst ein Verhältnis mit ihr, ehe er sie schließlich heiratete.

In der Zeit nach seinem 40. Geburtstag bemerkte Herr Hofmeister, der eigentlich kaum einen Sinn für etwas anderes hatte als für seine Arbeit, dass für ein makelloses Bild nach außen hin längst ein Nachkomme notwendig wäre. Außerdem realisierte er, dass er nicht jünger würde und seine Firma, die ihm alles bedeutete, eines Tages an jemanden abgeben würde müssen. Also sprach er seine Frau auf seinen Wunsch an und sie war auch bereit mit ihm ein Kind zu bekommen.

Etwa ein Jahr später wurde sein Sohn Jonathan geboren.

Nachdem Johnny geboren war, entschied seine Frau den Jungen auf dem Land großzuziehen. Sie bezog ein großes Haus in Neusiedl am See, das ihr Ehemann einige Jahre zuvor als Landsitz erworben hatte. Herr Hofmeister, der ohnehin von Früh bis Spät außer Haus war, war dieser Umstand ganz recht. Er kümmerte sich nach wie vor nur um seine Arbeit und hatte sich schon Sorgen gemacht, dass er künftig weniger leistungsfähig sein würde, wenn er ein schreiendes Baby oder später ein tobendes Kind zuhause haben würde.

Herr Hofmeister besuchte seine Frau mehrmals pro Woche im Burgenland, jedoch dauerten seine Besuche meist nicht lange. Mit seinem Sohn beschäftigte er sich in den ersten Jahren gar nicht, war aber sehr wohl darum besorgt, dass dieser von Anfang an von allem stets das beste und neueste haben sollte. Er sagte seiner Frau, dass sie dem Jungen alles kaufen soll was gut für ihn wäre, vollkommen egal was es koste.

In seiner Kindheit lernte Johnny seinen Vater kennen als jemanden, der zwei oder drei Mal pro Woche vorbeikam, ihn flüchtig begrüßte und dann mit seiner Mutter im Schlafzimmer verschwand. Herr Hofmeister nahm sich praktisch nie die Zeit mit seinem Kind zu sprechen. Er erkundigte sich meist nur bei seiner Frau, wie es denn dem Nachwuchs gehe. Auf den sehr seltenen, dafür stets exquisiten Familienurlauben der Hofmeisters war Herr Hofmeister wie ein Fremder für seinen Sohn.

Erst in Johnnys Jungendjahren begann Herr Hofmeister bei seinen Besuchen auch seinem Sohn etwas Aufmerksamkeit zu schenken. Er sprach mit ihm fast ausschließlich über die Arbeit – darüber, wie wichtig es wäre, dass man stets 100% gibt und immer besser und schneller ist als alle anderen.

Obwohl er sich kaum Zeit für seinen Sohn nahm, war ihm für ihn nichts zu teuer: Johnny war stets bestens eingekleidet, hatte die neuesten Videospiele, teure Fahrräder, später eine Motocross-Maschine und schließlich, mit 17, kaufte ihm sein Vater gar ein eigenes Auto: Einen Saab 900 Kabrio, den er von einem Geschäftsfreund gekauft hatte.

Zu dieser Zeit begann Herr Hofmeister sich auch sehr viel mehr mit Johnny zu befassen – denn nun war er das geworden, was sein Vater sich gewünscht hatte: Ein Nachfolger für seine Firma.
Herr Hofmeister sparte in keiner Weise dabei Johnny zu demonstrieren, wie angenehm und praktisch es ist viel Geld zu haben, indem er ihm ständig teure Sachen schenkte. Johnny sollte nicht eine Sekunde lang daran zweifeln, dass es die Firma unbedingt zu erhalten galt – koste es was es wolle.

 

*Achtung Spoiler*

Nach Johnnys Schulabschluss schenkte er ihm und auch dessen Freundin Alexandra eine Reise nach Hawaii. Anschließend ließ er ein paar Kontakte spielen, damit Johnny seinen Wehrdienst angenehmer verbringen würde als die übrigen jungen Männer.

Schließlich war es soweit: 19 Jahre nachdem ihm seine Frau einen Nachfolger geschenkt hatte, war dieser nun einsatzbereit. Johnny begann im Immobilienbetrieb seines Vaters zu arbeiten und machte sich vorbildlich.

Für Johnny war die Arbeit eine ganz neue Erfahrung: Zum ersten Mal verbrachte er wirklich Zeit mit seinem Vater. Herr Hofmeister war begierig darauf, Johnny alles beizubringen was er wusste.

Auch sorgte er weiterhin dafür, dass Johnny vom Geld abhängig sein würde: Als sein Sohn sich unbedingt einen Porsche kaufen wollte, ermutigte ihn Herr Hofmeister dazu und sagte ihm, dass er „diesen furchtbaren alten Saab“ (den er ihm nicht einmal zwei Jahre zuvor selbst gekauft hatte) ohnehin schon längst hätte loswerden sollen.

Bald darauf, im Alter von 65 Jahren, setzte sich Herr Hofmeister zur Ruhe. Zwar brachte er sich nach wie vor in den Betrieb ein, doch nach genau einem halben Jahrhundert, das Herr Hofmeister praktisch durchgearbeitet hatte, war er von der ständigen Belastung gezeichnet, stark ausgezehrt und müde.

Mittlerweile benötigt Herr Hofmeister regelmäßige Kuraufenthalte. Nachdem er sich fünfzig Jahre lang zu Höchstleistungen gezwungen hat, ist er schlichtweg ausgemergelt. So ist er auch Anfang 2011 auf Kur, als er einen Anruf erhält, der alles verändert: Sein Sohn Jonatahn hat den Immobilienbetrieb in den Bankrott getrieben. In diesem Moment ist Herr Hofmeister rasend vor Wut: Sein Lebenswerk, für das er sein Leben lang alles gegeben hat, ist von dem zerstört worden der es eigentlich erhalten sollte.

Er bricht den Kuraufenthalt sofort ab und möchte Johnny zur Rede stellen. Er möchte ihm sagen, dass er ein wertloser Versager, ein Taugenichts, eine absolute Enttäuschung ist.

Allerdings ist Johnny nicht erreichbar. Nachdem er seine Wohnung verloren hat und sein Besitz gepfändet worden ist, kann er ihn weder zuhause besuchen noch per Telefon anrufen. Auch meldet er sich nicht bei seinen Eltern. Da dämmert es Herrn Hofmeister, dass sein Sohn sich vielleicht etwas angetan hat. In dem Moment als er diese Vorstellung verinnerlicht – Johnny irgendwo tot, da er die Schande über den Verlust der Firma nicht ertragen hat – beginnt sich in seinem Denken einiges zu relativieren: Zum ersten Mal sorgt er sich richtig um seinen Sohn. 

Herr Hofmeister verständigt umgehend die Polizei und beauftragt außerdem Privatdetektive. Da er trotzdem nicht still zuhause sitzen kann, fährt er ganz Wien ab und sucht überall nach Johnny, wo er hofft, dass er ihn finden kann. Allerdings bleibt die Suche ohne Erfolg.

Nach Wochen, während derer es keine Spur von Johnny gegeben hat, geht Herr Hofmeister davon aus, dass sein Sohn nicht mehr am Leben ist. Er rechnet an jedem Tag damit, dass die Polizei ihn informiert, dass er tot aufgefunden worden ist. Nun macht er sich selbst Vorwürfe, da er Johnny dazu gedrängt hat den Betrieb zu übernehmen. Ihm wird zusehends klar, dass er seinem Sohn kaum eine andere Alternative gegeben hat als in den Betrieb einzusteigen.

Als es eines Tages an der Tür von Herr Hofmeisters Villa am Wiener Stadtrand klingelt, steht er seinem verloren geglaubten Sohn plötzlich gegenüber. Im ersten Moment weiß er gar nicht wie er reagieren soll. Er bittet Johnny herein und dieser will sich bei ihm entschuldigen, jedoch erklärt Herr Hofmeister seinem Sohn daraufhin, dass nur er selbst sich entschuldigen muss: Da er Johnny bisher nie ein guter Vater gewesen ist. Er erklärt Johnny, dass er einen großen Fehler gemacht hat als er ihm die Rolle seines Nachfolgers aufgezwungen hat.

Bei diesem ersten wirklichen Vater-Sohn Gespräch erklärt Herr Hofmeister, dass er Johnny ab sofort so akzeptieren möchte, wie er ist und ihn nach besten Kräften bei den Dingen unterstützen möchte, die Johnny tatsächlich machen möchte.

 

Persönlichkeit

Herr Hofmeister ist ein eiskalter Geschäftsmann. Etwas anderes als der Erfolg seiner Firma, interessiert ihn nicht.

 

*Achtung Spoiler*

Im Alter von 66 Jahren macht Herr Hofmeister eine starke Persönlichkeitswandlung durch. Konfrontiert mit der Information, dass sein Lebenswerk zerstört worden ist und sein einzig anderes Lebenswerk, das er nie richtig beachtet hat – nämlich Johnny – vielleicht tot ist, beginnt er erstmals an seinen an sich eisern gefestigten Wertvorstellungen zu zweifeln. Er fängt an zu verstehen wohin sie ihn geführt haben: Er selbst ist nun alt und schwach, seine Firma verloren und sein Sohn vielleicht tot. Als er Johnny wieder begegnet und bemerkt, dass es ihm gut geht, kann er nicht anders als sich aus ganzem Herzen zu freuen. Von diesem Zeitpunkt an beginnt er sein Leben wesentlich – für seine Verhältnisse – entspannter zu leben.

  

Triviales

*Achtung Spoiler*

Im Jahr 2011 sieht Herr Hofmeister beinahe schon greise aus: Abgemagert, kahlköpfig, eingeschrumpft, faltig. Nach 50 Jahren während derer er fast nur gearbeitet hat, sind seine körperlichen Kräfte erschöpft.

Allerdings war Herr Hofmeister auch in jüngeren Jahren nicht besonders groß und hat schon früh eine Glatze bekommen. Sein Sohn Johnny, der ein echter Mädchenschwarm ist, hat sein gutes Aussehen von der Linie seiner Mutter geerbt.

Es ist nicht so, dass er seinem Sohn gegenüber erst Gefühle entwickelt hat als er dachte, er sei tot. Herr Hofmeister ist sein Sohn von Anfang an sehr wichtig gewesen, nur wusste er in jüngeren Jahren nie mit seinen Vater-Gefühlen umzugehen. Vor allem hatte er keine Ahnung von den Bedürfnissen seines Sohnes: Er dachte, wenn er seine Mutter stets die besten und teuersten Dinge für Johnny kaufen ließe, hätte sein Sohn eine glückliche Kindheit; ihm war bis im Jahr 2011 nicht klar, dass Johnny als Kind vor allem einen Vater gebraucht hätte.